Projektziele

Der Waschbär gehört als nearktischer Neozoon zu den am wenigsten untersuchten Raubsäugern Europas.

Dem ursprünglich in Nord- und Mittelamerika beheimateten Waschbären gebührt neben dem Mink (Neovison vison) und dem Marderhund (Nyctereutes procyonoides) innerhalb der europäischen Raubsäugerfauna als Neozoon ein Sonderstatus. Als wertvoller Pelzträger gelangte dieser etwa katzengroße Kleinbär in den 1920er Jahren erstmals nach Deutschland und konnte in der Folgezeit durch mehrere bewusste Aussetzungen und zahlreiche Ausbrüche aus Pelztierfarmen eine freilebende mitteleuropäische Population aufbauen (Details zur aktuellen Verbreitung).
Obwohl der Waschbär seit mittlerweile über 70 Jahren in Deutschland ansässig ist, gehört er immer noch zu den am wenigsten untersuchten Raubsäugern Europas - bis heute fehlen grundlegende Kenntnisse zur Lebensweise dieses Neubürgers. Wegen der kontrovers und emotional überlagerten Diskussion über den nachhaltigen Einfluss des Waschbären auf Boden- und Höhlenbrüter, sowie wegen seiner gesundheitspolitischen Relevanz (vor allem im urbanen Lebensraum), besteht heute neben dem wissenschaftlichen auch ein großes öffentliches Interesse, diese Wissenslücke zu schließen (siehe Hintergrund).
Im Rahmen dieses Forschungsprojektes sollen daher erstmalig umfangreiche Basisdaten zur Ökologie des Waschbären innerhalb seines ostdeutschen Verbreitungsgebietes erhoben werden. Dazu werden im Rahmen einer mehrjährigen Studie im Müritz-Nationalpark wissenschaftliche Untersuchungen zur Populationsbiologie, Nahrungs- und Reproduktionsökologie, Raumnutzung, Parasitologie sowie zum Sozialsystem und zu Todesursachen durchgeführt (siehe Forschungsschwerpunkte).
Ein effizienter Artenschutz, artenschutzrelevanter Vertragsnaturschutz und die Erarbeitung und Erprobung von Management-Konzepten sind ohne grundlegende Kenntnisse zur Populationsökologie von Beutegreifern in den betreffenden Vorkommensgebieten nicht mehr realisierbar. Für die Erarbeitung naturschutzgerechter Landnutzungsstrategien ist die Schaffung qualitativer und quantitativer Grundlagen zur ökologischen Bewertung des Waschbären unverzichtbar.

Übergeordnetes Ziel dieses Projektes ist daher die Erhebung valider populationsökologischer Daten, um eine grundlegende ökologische Charakterisierung des Waschbären unter dem Aspekt des Natur- und Artenschutzes vornehmen zu können. Infolgedessen  besteht die Möglichkeit einen zielführenden Managementplan für einen sinnvollen Umgang mit diesem Neubürger zu erarbeiten.

Sendermarkierter Waschbärrüde an einem Nierdermoor im Müritz-Nationalpark. Fotos: "Projekt Waschbär"

Sendermarkierter Waschbaer in einem Moor Copyright Projekt Waschbaer