Außer der Reihe (Oktober 2014)

Nachdem die Feldarbeiten des Projektes Ende 2011 abgeschlossen wurden, werden wir regelmäßig gefragt: Gibt es denn das „Projekt Waschbär“ überhaupt noch? Aus diesem Anlass heraus daher eine kurze Aufklärung:

Selbstverständlich gibt es das Projekt noch. Nur eben in etwas abgewandelter Form und zwar nicht mehr als direkte Studie vor Ort im Müritz-Nationalpark, sondern jetzt ausschließlich im Labor und vor den Bildschirmen. Die Auswertungen solch einer umfassenden Freilandforschung gestalten sich sehr vielschichtig und nehmen dementsprechend viel Zeit in Anspruch. Derzeit sind noch drei Doktorarbeiten im Gange, die aller Voraussicht nach Ende 2015 fertig gestellt werden.
Aber auch nach Abschluss dieser letzten wissenschaftlichen Teilprojekte wird das „Projekt Waschbär“ an sich erhalten bleiben – schließlich beginnt erst dann der Teil der Arbeit, bei dem all die Erkenntnisse, die in den letzten Jahren mühevoll zusammengetragen wurden, in die Praxis umgesetzt werden sollen (Modul III).
Hierbei geht es beispielsweise um die Beratung von Institutionen und Behörden (z.B. Nationalparke, Umweltämter) bei der Erarbeitung von Managementplänen, die dazu dienen, die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen von Waschbären sowie Gefahren, die durch Waschbären als Vektor für Krankheiten auftreten können, zu minimieren.

Leider mangelt es bei den aktuellen Diskussionen und Berichterstattungen in den Medien vor allem immer an einem: valide, wissen­schaftliche Daten und damit einhergehende fachliche Expertise. Über vorhandene Untersuchungen wird gerne hinweggesehen, wenn sie nicht in das vorgefertigte Bild hineinpassen oder die Informationen werden schlichtweg falsch interpretiert. Wir hoffen daher, dass diese Problematik mehr und mehr ins Bewusstsein rückt und dass zukünftig mit unabhängigen wissenschaftlichen Daten verantwortungsvoller umgegangen wird, da dies die Grundvoraussetzung für ein nachhaltig funktionierendes und vor allem glaubhaftes Wildtiermanagement ist.

Exkrementanalysen im Rahmen nahrungsökologischer Untersuchungen bilden die Grundlage für die Arbeit zu den ökologischen Auswirkungen des Waschbären.

Exkrementanalysen Laborarbeit koproskopische Analysen nahrungsökologische Analysen

Berit und Frank-Uwe Michler in ihrem Büro an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde Büroarbeit

Abgedreht (November 2013)

Ein aktueller Film über das Projekt Waschbär ist nun auf Youtube zu sehen. Produziert wurde der neunminütige Kurzfilm von der Produktionsgesellschaft Light & Shadow  Naturfilm aus Münster, dessen Team für einen kürzlich auf WDR und NDR ausgestrahlten Dokumentarfilm über Waschbären in Deutschland mehrere Jahre im Müritz-Nationalpark gedreht hat (siehe Mai 2013).
Wir freuen uns, dass aus diesem umfangreichen Filmmaterial nun dieser Youtube-Clip über das Forschungsprojekt entstanden ist. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle Beteiligten - insbesondere an die Schnittassistentin Mar Clapés, den Regisseur und Sprecher Heiko de Groot und den Kameramann Michael Riegler.

Viel Vergnügen beim Anschauen.

Neu im Forscherteam (September 2013)

Seit Beginn des Monats  können wir eine neue Fachkraft in unserem Projekt willkommen heißen - Judith Sándor ist derzeit DBU- Stipendiatin (MOE-Postgraduiertenstipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt) an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und wird uns in den nächsten Monaten bei der wissenschaftlichen Projektarbeit tatkräftig unterstützen. Sie hat an der Westungarischen Universität (NYME; Fakultät für Forstwissenschaften) ihr Diplom als Naturingenieurin absolviert und möchte nun während Ihres Auslandsaufenthaltes die Methoden der wildbiologischen Forschung näher kennenlernen.

Auf gute Zusammenarbeit! (Sikeres együttmûköde’st!)

Judit Sándor bei koproskopischen Analysen von Waschbärenproben im Labor der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Judit Sandor

Aufgestöbert (Juli 2013)

Vor kurzem wurde damit begonnen das umfangreiche Bildmaterial aus dem Fotofallenmonitoring auszuwerten. Dabei wurden tausende Bilder gesichtet, analysiert und archiviert. Bei einem Fotofallenmonitoring werden selbstauslösende Wildkameras, die über einen passiven Bewegungsmelder (PIR-Sensor) verfügen, an geeigneten Standorten im Untersuchungsgebiet angebracht. Hierbei handelt es sich um eine nicht-invasive Forschungsmethode, deren Technik und Einsatzmöglichkeiten sich in der letzten Zeit rasant entwickelt haben.
Im Rahmen der Feldarbeiten wurden solche Fotofallen auf einer Fläche von 1.000 ha an 41 verschiedenen Standorten für Untersuchungen zur Reproduktionsbiologie, Populationsdichte, zum Sozialsystem sowie im Rahmen eines epidemiologischen Monitorings eingesetzt. Dabei entstanden bei einer Überwachungsdauer von 5.365 Fotofallennächten (aktive Fotofallenstandorte x Untersuchungstage) in den Jahren 2006 bis 2011 insgesamt 24.959 Fotofallenaufnah­men. Den größten Bildanteil machten Waschbären mit 75 % aus (n = 18.721 Aufnahmen), gefolgt von einem breiten Spektrum anderer Tierarten mit 18 % (n = 4.471 Aufnahmen, siehe Abbildung). Auf 7 % aller Bilder war die Ursache für die Auslösung nicht erkennbar (n = 1.767 Aufnahmen). Der hohe Anteil an Bildern mit der Zielart Waschbär ist auf eine spezifische Beköderung der Fotofallenstandorte zurückzuführen, die für Waschbären eine große Lockwirkung hatte, für ein breites Spektrum anderer Arten jedoch relativ unattraktiv war.

Auslösegründe von 15 Fotofallen an 41 spezifisch beköderten Standorten während des Fotofallenmonitorings im Müritz-Nationalpark, 2006-2011. *Die häufige Ablichtung von Projektmitarbeitern resultiert aus dem regelmäßigen Beködern der Fotofallenstandorte. ** Regelmäßig nachgewiesene Vogelarten waren: Kleiber, Eurasischer Kranich, Graureiher, Eichelhäher, Elster, Amsel, Singdrossel, Kohlmeise, Sumpfmeise, Rotkehlchen, Buntspecht, Schwarzspecht, Ringeltaube, Stockente, Bussard und Habicht. Jeweils einmal registriert wurden Schwarzstorch, Eisvogel, Sperber sowie Seeadler.

Ausloesegruende Fotofallenmonitoring Projekt Waschbaer

Insgesamt konnten auf den 18.721 Waschbärenaufnahmen 183 verschiedene Waschbären nachge­wiesen werden. Diese setzen sich aus 127 individuell markierten Tieren (15.339 Aufnahmen) und 56 identifizierten unmarkierten Waschbären zusammen (n = 2.305 Aufnah­men). Die individuelle Erkennung der nichtmarkierten Waschbären erfolgte mit Hilfe der charakteristischen individuellen Schwanzmusterung der Tiere.
Auf 73 % (n = 13.666) aller Waschbärenaufnahmen war nur ein Waschbär zu sehen, auf den restlichen 27 % (n = 5.055) waren zwischen zwei und sieben Individuen erkennbar. Am häufigsten wurden Mutterfamilien und Jungtiere gemeinsam auf den Fotofallenbildern nach­gewiesen, gefolgt von adulten Rüden, bei denen zwischen zwei und vier Individuen gemein­sam an den Fotofallenstandorten registriert wurden.

Die folgenden Bilder sollen einen kleinen Einblick in die nächtlichen Waschbärenbesuche an den Fotofallen geben. Eine Auswahl an Fotofallenbildern mit anderen Tierarten findet sich hier.

Für einzelne sozioethologische Fragestellungen wurden mit den Fotofallen auch kurze Videosequenzen aufgezeichnet. Eine kleine Auswahl solcher Kurzfilme findet sich hier.

Filmreif (Mai 2013)

Nach langer, intensiver Dreharbeit ist es nun soweit und der 45-minütige Dokumentarfilm "Waschbären - Einwanderer aus Wildwest" findet seinen Weg auf die Leinwand. Über drei Jahre lang hat das Filmteam von "Light & Shadow" um Christian Baumeister die Arbeiten im Projekt mit der Kamera begleitet und in zahlreichen bewegten Bildern festgehalten. Die Forschungsstation wurde zum Schauplatz, Tiere zu Darstellern, Moore und Wälder zu Kulissen. Tag ein und Nacht aus wurde geforscht, gefilmt, diskutiert und beraten - so konnten außergewöhnliche Ideen umgesetzt und aussagekräftige Szenen abgedreht werden, um einen möglichst realen und umfangreichen Blick in das Leben der maskierten Kleinbären zu liefern.

Das Ergebnis ist am Dienstag, den 21. Mai 2013 um 20:15 Uhr auf WDR in der Sendung Abenteuer Erde zu sehen.

Kameramann Michael Riegler bei Dreharbeiten im Mueritz-NP
Das Team von Light and Shadow im Mueritz-Nationalpark
Bewegte Bilder - Dreharbeiten mit einem Dolly
Aufnahmen aus der Luft - Vorbereitungen für eine Ballonfahrt ueber das Untersuchungsgebiet
Das Team von Light and Shadow bei Dreharbeiten im Labor
Kameramann Michael Riegler mit Assiestent und Regisseur Heiko De Groot
Interview-Szene mit B. Michler am Gruenower See
Funkortung - Aufnahme von Telemetriearbeiten im Mueritz-Nationalpark
M. Riegler beim Anbringen einer Fingerkamera an einer Autoantenne
Fingerkamera an der drehbaren Dachantenne einer mobilen Telemetrieanlage
Bejagung des Waschbaeren - Dreharbeiten beim Morgenansitz
Eindrücke von den Dreharbeiten im Müritz-Nationalpark. Das Team von Light & Shadow hat für den Film keine Mühen gescheut - von Unterwasseraufnahmen über klassische Einstellungen und Interviews bis hin zu spektakulären Szenen aus der Luft war alles dabei.

Filmankündigung des Senders

Tiertrainerin Gaby Müller im Einsatz

Tiertrainerin Gaby Müller im Einsatz

Herbststimmung - Michael Riegler bei Dreharbeiten im Müritz-Nationalpark

Kameramann Michael Riegler beim Herbstdreh

Einst hat man Waschbären nach Deutschland geholt, weil man sie brauchte. Heute wäre so mancher die Tiere gerne wieder los.
...Umfangreiche Untersuchungen darüber, welchen Einfluss Waschbären auf die heimische Tierwelt haben, ließen lange auf sich warten. Die Biologen Frank-Uwe Michler und Berit Köhnemann begannen ab 2006 Licht in das Dunkel zu bringen - mit überraschenden und größtenteils beruhigenden Ergebnissen.
Der Dokumentarfilm "Waschbären - Einwanderer aus Wildwest" zeigt die Geschichte der Waschbären in Deutschland, Ausschnitte aus ihrem Leben in Wäldern und Städten und die Arbeit der Wissenschaftler...

Ein Film von Heiko de Groot / Redaktion: Gabriele Conze

Weitere Informationen/Bilder zu der Sendung unter:

Blick ins Detail (März 2012)

Tieräztin Zaida Renteria Solis bei der Sektionsarbeit in der Pathologie des IZW Berlin. Foto: Irina Muschik

Durch Zerkarien von Trematoden hervorgerufene herdförmige Gehirnentzündung im Hirnstamm des Tieres aus dem Video. Foto: Gudrun Wibbelt

herdfoermige-Gehirnentzuendung Hirnstamm Waschbaer

Nachdem der Fokus im Zuge der Freilandforschungen in den letzten Jahren mehr organismisch geprägt war, gilt bei den Datenauswertungen der Blick nun verstärkt auch den "ganz kleinen Dingen". So konnte mittels umfangreicher Laboranalysen ein bislang offenes Rätsel betreffend der Krankheits­bilder der erforschten Waschbären im Müritz-Nationalpark gelöst werden.
Während der Feldarbeiten wurden bei mehreren der sendermarkierten Tiere schwere zentralnervöse Störungen beobachtet, die bis zu einem moribunden Zustand der Tiere führten (siehe Video). Ein anfänglicher Staupeverdacht konnte nicht bestätigt werden, so dass lange Zeit unklar war, welche Ursache hinter diesen Krankheits­symptomen steckt.
Detaillierte histo­patholo­gische Untersuchungen in der Pathologie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (Forschungsgruppe Wildtierkrankheiten) haben nun ergeben, dass es sich um einen cerebralen Parasitenbefall handelt. Parasitäre Larvenstadien dringen dabei bis ins zentrale Nervensystem vor und richten irreversible Schäden an. Möglicherweise könnte es sich hierbei um die Trematodenart Alaria alata handeln.

Der Entwicklungszyklus von A. alata (auch als Duncker´scher Muskelegel bekannt) ist hochkomplex und verläuft drei-wirtig unter fakultativer Einschaltung von sogenannten Stapel- oder Transportwirten (z.B. Waschbären). Der adulte Saugwurm lebt im Darm eines Endwirtes (Füchse, Wölfe, Marder). Über den Kot werden die Eier in die Umwelt ausgeschieden und gelangen als so genannte Wimpernlarven (Mirazidien) aktiv oder passiv in den ersten Zwischenwirt (Tellerschnecken). Hier entwickeln sie sich zu Zerkarien, diese verlassen aktiv die Süßwasserschnecken und heften sich an die Oberfläche von Kaulquappen (2. Zwischenwirt), um deren Haut zu durchbohren und sich im Körperinneren zu Mesozerkarien weiterzuentwickeln. Wenn Waschbären als Stapelwirte (auch paratenische Wirte) nun infizierte Amphibien aufnehmen befallen die Mesozerkarien Muskulatur, Organe, und z.T. auch das Zentralnervensystem. Der Lebenszyklus von A. alata wird geschlossen, wenn der 2. Zwischenwirt (Kaulquappe oder Froschlurch) oder ein Stapelwirt von einem geeigneten Endwirt aufgenommen wird. Hier entwickelt sich aus der Mesozerkarie eine Metazerkarie und schließlich der fortpflanzungsfähige Trematode.
Die Untersuchungen werden von der Tierärztin Zaida Melina Rentería Solís aus Mexiko durchgeführt, die sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit der „Pathologie und Parasitologie nordamerikanischer Waschbären (Procyon lotor) aus dem Müritz-Nationalpark“ beschäftigt und bereits über 100 Tiere analysiert hat.

In dem Video (unten) ist ein sendermarkierter Waschbär mit zerebralen Parasitenbefall zu sehen. Dieses 1 1/2 jährige Weibchen stand im Müritz-Nationalpark unter intensiver radiotelemetrischer Kontrolle und wurde im August 2008 moribund und stark kachektisch auf dem Waldboden liegend aufgefunden und aufgrund der Schwere der klinischen Erscheinungen euthanasiert.

Charakteristische Symptome von staupeerkrankten Waschbären (Bilder & Videos) finden sich hier.

Auf den Geschmack gekommen (Herbst 2011)

Waschbären im Tiergarten Neustrelitz stellen sich in den Dienst der Wissenschaft

Futterversuche Tiergarten Neustrelitz

Derzeit läuft im „Projekt Waschbär“ eine weitere Studie zur Nahrungs­ökologie des Waschbären anhand von Exkrementanalysen. Um detail­lier­­te Aussagen im Bezug auf das Nahrungsspektrum des Waschbären treffen zu können, ist es erforder­lich im Rahmen von Kotanalysen auch Korrektur­faktoren (Verdauungskoeffizienten) zu bestimmen, welche das Verhältnis von aufgenommenen zu ausgeschiedenen Nahrungsbe­stand­teilen wiederge­ben. Die Ermittlung solch eines waschbär­spezi­fi­schen Korrekturfaktors ge­schieht anhand von Futter­versuchen, die derzeit in Kooperation mit dem Tiergarten Neustrelitz durchgeführt werden. Diese Verdauungskoeffizienten ermöglichen eine grundlegende Quantifizierung der genutzten Biomasseanteile  - somit können die nahrungsökologischen Ergebnisse vor dem Hintergrund des ermittelten Ressourcenangebotes im Untersuchungsgebiet im Hinblick auf die ökologischen Auswirkungen dieses Neubürgers weitreichend interpretiert werden.

Hierfür werden den Tieren nach einem bestimmten Plan abgewogene Mengen unterschiedlicher Nahrungskomponenten ge­füttert und der daraus resultierende Kot im An­schluss ausgewertet. Da Waschbären von Natur aus sehr neugierig sind, wurde das teilweise recht ungewohnte Futter meist dankbar angenommen. Nachdem sich die be­­lieb­­ten Tiergartenbewohner im Sommer schon bereitwillig von Mais, Fisch, Eiern und diversen Früchten ernährt haben, stehen beim zweiten Versuchsteil nun unter anderem „herbstliches Futter“ wie Eicheln, Äpfel, Käfer und Regen­würmer auf dem Speiseplan.

Hereinspaziert (Juni 2011)

Waschbärausstellung im Müritz-Nationalpark lädt zum Besuch ein

Waschbaeraustellung Ingo Bartussek

„Das heimliche leben der Waschbären“ - so nennt der langjährige Waschbärfotograf Ingo Bartussek aus Uslar seine erfolgreiche Waschbärenausstellung, die nun auch im Müritz-Nationalpark zu sehen ist. Einzigartige Bildtafeln und zahlreiche andere Ausstellungsgegenstände vermitteln dem Besucher viele spannende und informative Einblicke in das verborgene Leben der maskierten Kleinbären. Noch bis zum 31. Oktober 2011 können die kleinen Kunstwerke in den Ausstellungsräumen des Nationalpark-Service in Federow (Damerower Straße 6) betrachtet werden. Die Ausstellung wurde vom Förderverein Müritz-Nationalpark e.V. und dem Nationalpark-Service Müritz organisiert, der Eintritt für Besucher ist kostenlos.

Anlässlich dieser Ausstellung wird Frank Michler vom „Projekt Waschbär“ am Donnerstag den 9. Juni um 15 Uhr in Federow ein Vortrag über das Leben der Waschbären in Stadt & Wald halten. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen.

  

April 2011

Auf dem neusten Stand

Vom 7.-10. April 2011 findet das Internationale Symposium der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung e.V. (GWJF) in Camp Reinsehlen (Niedersachsen) statt, auf dem sich auch das „Projekt Waschbär“ ausführlich vorstellen wird. Unter dem diesjährigen Thema „Populationsökologie von Raubsäugerarten“ werden verschiedene Arbeiten aus unserem Projekt in Form von vier Vorträgen und sechs Posterbeiträgen präsentiert. Neben den Ergebnissen von mehreren Diplomarbeiten und ersten Erkenntnissen aus noch laufenden Untersuchungen bietet die wildbiologische Tagung auch Raum für Einblicke in die Arbeiten unserer Kooperations­partner, so dass ein umfassendes Bild über die bearbeiteten Themenschwerpunkte des Projektes gegeben werden kann.

Vorträge:

  • Möglichkeiten und Grenzen der Datenerfassung mittels Fotofallen am Beispiel der Waschbärenforschung.
    (Frank-Uwe Michler) - Präsentation als PDF
  • Das "Projekt Waschbär" im Müritz-Nationalpark - Ein Überblick über die angewandten Methoden säugetierkundlicher Freilandforschung.
    (F.-U. Michler, B.A. Köhnemann, M. Roth) - Präsentation als PDF
  • Zusammen ist man weniger allein: Raum- und Sozialverhalten juveniler Waschbären im Müritz-Nationalpark.
    (I. Muschik, B.A. Köhnemann, F.-U. Michler) - Präsentation als PDF
  • Genetische Strukturen einer Waschbärpopulation im Müritz-Nationalpark - Landschaftseinflüsse oder barrierefreie Liebe?
    (N. Balkenhol, F.-U. Michler, B.A. Köhnemann, S. Gramlich, S. Sommer) - Präsentation als PDF

Posterpräsentationen:

  • Free-ranging raccoons in northern Germany: Parasitology, pathology and feeding ecology investigation.
    (Z.M. Rentería-Solís, B.A. Köhnemann, F.-U. Michler, M. Roth, S. Rieger, G. Wibbelt) - Poster 1
  • Gourmet oder Gourmand - Analyse von Exkrementen gefangener Waschbären aus dem Müritz-Nationalpark.
    (A. Engelmann, B.A. Köhnemann, F.-U. Michler) - Poster 2
  • Mater semper certa? Molekularbiologische Analyse einer Waschbärpopulation im Müritz-Nationalpark.
    (S. Gramlich, F.-U. Michler, B.A. Köhnemann, H. Schulz) - Poster 3
  • Untersuchungsergebnisse zur Habitatnutzung des Waschbären im Müritz-Nationalpark.
    (N. Hermes, B.A. Köhnemann, F.-U. Michler) - Poster 4
  • Im Sauseschritt - Radiotelemetrische Untersuchung des Raum-Zeit-Verhaltens adulter Waschbären im Müritz-Nationalpark.
    (S. Ortmann, F.-U. Michler, B.A. Köhnemann, M. Roth) - Poster 5
  • Morphometrical characterisation of a raccoon population from Müritz-Nationalpark by means of the Os baculum.
    (O. Schwery, F.-U. Michler, B.A. Köhnemann, W. Brinkmann) - Poster 6

Poster 1

Posterpräsentation Solis Koehnemann

Poster 2

Posterpräsentation Anett Engelmann

Poster 3

Poster Susanne Gramlich

Poster 4

Poster Nicole Hermes

Poster 5

Poster Steffen Ortmann

Poster 6

Poster Orlando Schwery

Ein besonderer Dank gilt der Projektmitarbeiterin Irina Muschik für das Design und Layout aller Poster.

  

Februar 2011

Hinter den Kulissen

Standort Wildkamera Atemloch Biber

In diesem Winter hat eine Wildkamera im Untersuchungsgebiet eine besonders seltene Aufnahme gemacht - am 1. Februar gegen 2:00 Uhr nachts wurde am Goldenbaumer Mühlenteich eine Biberpaarung dokumentiert (siehe unten). Wie uns Biberexperten bestätigten, handelt es sich hierbei um die ersten Filmaufnahmen einer Paarung von frei lebenden Bibern.
Eigentlich sollte die Wildkamera Informationen über das Fortpflanzungsverhalten von zwei besenderten Waschbären liefern, die ihr gemeinsames Quartier in der Böschung unter einer Eiche bezogen hatten (Bild rechts). Der Bau diente aber offenbar auch dem heimischen Biberpaar als Unterschlupf.
Biber leben in fester Monogamie und paaren sich zwischen Januar und März meist im seichten Gewässer. Nach im Schnitt 106 Tagen werden in der Regel im Mai 2-4 Jungbiber geboren, die ihre ersten 4-6 Wochen im oder nahe am Bau verbringen.

Nachdem der Elbebiber bereits vor 1800 im gesamten Strelitzer Land ausgerottet worden war, pflanzt er sich erst seit relativ kurzer Zeit wieder erfolgreich im Müritz-Nationalpark fort. Die ersten Biberspuren wurden im Frühjahr 1996 am Grünower See entdeckt – heute leben wieder zwei Familien mit insgesamt ca. 8 Tieren im Serrahner Teilgebiet.

Eine Auswahl weiterer Fotofallenaufnahmen findet sich hier.

     

Januar 2011

Frisch ans Werk

Waschbaer im Schnee

Zu Beginn des Neuen Jahres sind zwei neue Mitarbeiter zum „Projekt Waschbär“ gestoßen. Orlando Schwery von der Universität Zürich widmet sich der morphometrischen Charakterisierung der untersuchten Waschbärenpopulation anhand des Os baculums (Penisknochen) - Gabriele Graf (Christian-Albrechts-Universität Kiel) wird sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit  mit der aktuellen Verbreitungs­situation des Waschbären in Deutschland beschäftigen.

Ihre Diplomarbeit abgeschlossen und eingereicht hat Susanne Gramlich von der Universität Koblenz-Landau. Diese für viele andere Teilprojekte sehr wertvolle Arbeit über „Molekularbiologische Analysen zur Verwandtschaftstruktur und zum Sozialsystem einer freilebenden Waschbärenpopulation im Müritz-Nationalpark“ liefert bedeutende Ergebnisse über die Verwandtschaftsverhältnisse der untersuchten Population und bietet eine wichtige Grundlage für die Interpretation des hochkomplexen Sozialsverhaltens dieser heimlich lebenden Kleinbärenart
(Diplomarbeit als PDF).

   

November/Dezember 2010

Zurückgeblickt

Der Fotograf Roman Vitt hat in diesem Jahr mehrmals das Projektteam bei der Feldarbeit begleitet. Dabei sind zahlreiche Aufnahmen von Waschbären in ihrem natürlichen Lebensraum entstanden.

Naturfotograf Roman Vitt

Das Jahr 2010 neigt sich langsam dem Ende entgegen - Zeit um auch im Hinblick auf die Forschungs­tätigkeiten eine kurze Zwischen­bilanz zu ziehen. Es war wieder ein ereignis­reiches Jahr, in dem neben der wissenschaftlichen Feld-, Labor- und Büroarbeit auch wieder zahlreiche Vorträge über das „Projekt Waschbär“ gehalten wurden, darunter z.B. auf der Jahrestagung der Vereinigung der Wildbiologen und Jagdwissenschaftler Deutschlands (VWJD) in Göttingen und der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ) in Giessen. Zum wiederholten Male waren wir in der Schweiz unterwegs und konnten interessierten Mitgliedern der JagdZürich den Neubürger Waschbär näher bringen. Kürzlich fand das wissen­schaft­liche Kolloquium "20 Jahre Müritz-Nationalpark" statt, bei dem natürlich auch Ergeb­nisse aus der Waschbärenforschung präsentiert wurden (Das Projekt stellt sich vor).

Anlässlich der Tagung "Flora & Fauna des NABU-Kreisverbandes Mecklenburg-Strelitz wurde das "Projekt Waschbär" am 25. September 2010 im Schloß Hohenzieritz mit dem Naturschutz-Literaturpreis der Erwin-Hemke-Stiftung ausgezeichnet, wofür wir an dieser Stelle noch einmal herzlich Dank sagen (siehe Artikel in Säugetierkundlichen Informationen, Bd 7, H. 43).

Steffen Ortmann von der TU Dresden hat erfolgreich seine Diplomarbeit zum Raum-Zeit-Verhalten adulter Waschbären abgeschlossen und es wurden zwei neue Kooperationsstudien mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) begonnen. Zaida Renteria Solis wird epidemiologische Unter­su­chungen an Waschbären aus dem Müritz-Nationalpark durchführen, während sich Dr. Niko Balkenhol mit den Auswirkungen von räumlichen Bewegungsmustern auf landschafts­genetische Ergebnisse der Waschbären beschäftigt (Arbeitsstand des Projektes).
In punkto Öffentlichkeitsarbeit haben erneut vier Fernsehteams sowie der Naturfotograf Roman Vitt (Bildergalerie) das Projekt bei der Freilandforschung begleitet. Viele Zeitungen und vor allem Zeitschriften haben sich an uns gewandt, um über den neuen Nachbar Waschbär zu berichten (Presseinformationen). Da es auch in diesem Sommer für die Waschbären im Siedlungsbereich viel zu Fressen und zu Erkunden gab, stand unser Beratungstelefon insbesondere in dieser Zeit nicht still. Eine große Rolle bei der Informationsbereitstellung für die interessierte Öffentlichkeit spielte auch wieder der projekteigene Internetauftritt. Mittlerweile hat sich die Website zum wichtigsten Kommunikations- und Informationsmedium des Forschungsprojektes entwickelt. So besuchten seit dem Online-Start im Jahr 2007 über 150.000 Gäste die Homepage des Projektes.
Auch das nächste Jahr wird wieder ganz im Dienste der Wissenschaft stehen - unter anderem steht der Abschluss drei weiterer Diplomarbeiten sowie der ersten Doktorarbeit an. Das Projekt wird wieder auf Tagungen und Kongressen vertreten sein – so z.B. auf dem Internationalen Symposium der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung (GWJF), wo wir verschiedene Beiträge zu aktuellen Forschungsergebnissen präsentieren werden.

In diesem Sinne wünscht das Projekt-Team eine erholsame und besinnliche Adventszeit sowie ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2011.

  

Abgedreht (September 2010)

Internationale Filmarbeiten im "Projekt Waschbär"

Bald werden die Müritzer Waschbären erstmalig auch im amerikanischen Fernsehen zu sehen sein. Für eine Dokumentation über Waschbären weltweit wurde neben Kanada, den USA und Japan kürzlich auch im Müritz-Nationalpark gedreht.
Dem Fernsehteam um die kanadische Tierfilmerin Susan Fleming ging es dabei unter anderem um die unterschiedlichen Lebensweisen von „Wald-“ und „Stadtwaschbären“ und das Aufzeigen eines nachhaltigen Konfliktmanagements im menschlichen Siedlungsraum. Das in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten zu beobachtende Phänomen der Urbanisierung dieser anpassungsfähigen Kleinbärenart in verschiedenen Städten Nordamerikas (z.B. Cincinnati, Chicago, Toronto), Japans (z.B. Kyoto) und Deutschlands (z.B. Kassel) verursacht zum Teil erhebliche Konflikte mit der ansässigen Bevölkerung. Interessanterweise wird bis dato nur in Deutschland ein präventives Konflikt- und Habitatmanagement erfolgreich angewandt, weswegen ein besonderes Interesse z.B. an speziellen Waschbär-Abwehrmaßnahmen bestand, wie sie mittlerweile in Kassel an einem Großteil der Gebäude in den betroffenen Stadtteilen zu finden sind. Der Erfolg dieses Managements wird unter anderem daran ersichtlich, dass sich in Kassel inzwischen ganze Betriebe auf Waschbär-Abwehrmaßnahmen spezialisiert haben (z.B. www.waschbaerschutz.de). Zu einem erfolgreichen Konfliktmanagement gehören neben diesen mechanischen Abwehrmaßnahmen allerdings noch eine Reihe weiterer Aspekte, wie beispielsweise seuchenhygienische Maßnahmen.
Grundlegende Vorraussetzung für die Erarbeitung solch eines Managements sind elementare Erkenntnisse zur Populationsbiologie, Epidemiologie und Ethologie dieser Wildart, wie sie derzeit im Müritz-Nationalpark gewonnen werden.
Dieser Themenkomplex und noch vieles mehr wird in dem 45minütigen Dokumentarfilm zu sehen sein, der Mitte 2011 auch in Deutschland auf ARTE ausgestrahlt wird.

Berit Köhnemann bei Filmaufnahmen an einer Waschbärlatrine im Müritz-Nationalpark. Das gesammelte Probenmaterial wird anschließend im Labor parasitologisch und nahrungsökologisch ausgewertet. Foto: "Projekt Waschbär"

Filmaufnahmen beim Absammeln einer Waschbärlatrine im Müritz-Nationalpark

Frank Michler interviewt eine Anwohnerin in Kassel über ihre Erfahrungen mit Waschbären - an ihrem Haus wurden letztes Jahr erfolgreich Waschbär-Abwehrmaßnahmen angebracht. Foto: Gaby Müller

Filmaufnahmen in "Europas Waschbärhauptstadt Kassel"

Nachgefragt (Juli 2010)

Wie ist das eigentlich mit den Jagd- und Schonzeiten beim Waschbären?

Der Waschbär ist immer häufiger auf der heimischen Strecke zu finden - im letzten Jagdjahr wurden in Deutschland über 54.000 Waschbären erlegt. Foto: "Projekt Waschbär"

Waschbaer auf Jagdstrecke

Der Waschbär unterliegt mit Ausnahme von Bremen und dem Saarland in allen Bundesländern dem Jagdrecht und kann somit als Wildart während der Jagdzeiten erlegt werden. Einzelne Bundesländer (HH, NI, NRW) haben dem Waschbären eine feste Schonzeit eingeräumt, in den meisten Bundesländern wird die Jagdzeit aber durch die sogenannte Elterntierregelung nach § 22 Abs. 4 Satz 1 des BJagdG begrenzt, die besagt, dass Elterntiere bis zum Selbstständigwerden der Jungtiere nicht bejagt werden dürfen (Setz- und Brutzeit). Die Elterntierregelung dient dem Schutz der Jungtiere vor einem qualvollen Tod bei Verlust der Elterntiere. Der Abschuss der Jungtiere selbst ist nicht verboten.
Doch ab wann gelten die Jungtiere beim Waschbären eigentlich als selbstständig? In Literatur und Rechtsprechung ist ein Jungtier selbstständig geworden, sobald es sich eigenständig fortbewegen und sich selbst Nahrung beschaffen kann. Zur Aufzucht notwendig sind Elterntiere also solange, "wie die Jungtiere ohne Elterntier nicht ohne erhebliche Beeinträchtigung ihrer Gesundheit überleben würden" (MITZSCHKE & SCHÄFER: Kommentar zum BJagdG, 4. Aufl.). Einige Bundesländer haben durch Verordnungen die Setz- und Brutzeit normativ auf die Zeit vom 1. März bis 15. Juni festgelegt, wobei wissenschaftliches Datenmaterial zur biologischen Abgrenzung der Setz- und Aufzuchtszeiten europäischer Waschbären bislang vollständig fehlte.

Aktuelle Forschungsergebnisse zur Sozioethologie des Waschbären im Müritz-Nationalpark haben nun gezeigt, dass die Abhängigkeit der Jungen vom Muttertier bei dieser Wildart überdurchschnittlich lange ist. Zu dem Zeitpunkt, wenn der Elterntierschutz nach den normativen Festsetzungen der meisten Bundesländer enden soll (15. Juni), befinden sich die Mutterfamilien in ausnehmend enger sozialer Bindung, das Gros der Jungtiere befindet sich noch in den Wurfplätzen und wird ausschließlich durch Muttermilch ernährt. Die Phase der außerordentlich engen sozialen Bindungen innerhalb der Mutterfamilien reicht bis mindestens in den 4. Lebensmonat hinein – bei den ermittelten Geburtsterminen bedeutet dies bis ca. Ende August (siehe Grafik). In der Regel ist der Nachwuchs auch erst mit Erreichen des 4. Lebensmonats in der Lage sich selbständig zu ernähren. Die Bejagung auf geschlechtsreife Waschbären darf unter Beachtung des § 22 BJagdG also keineswegs vor Ende August beginnen und sollte Ende Februar vor dem Beginn der Reproduktionszeit enden. Obwohl sich die männlichen Waschbären nicht an der Aufzucht beteiligen, muss die Schonzeit für beide Geschlechter gelten, da es keine Merkmale gibt, mit denen Rüden und Fähen aus der Ferne unterschieden werden können. Bei einer Bejagung von Waschbären außerhalb dieser Zeit werden zwangsläufig auch die für die Aufzucht der Jungtiere notwendigen Muttertiere erlegt, nach § 38 BJagdG wird dies als Straftat eingestuft und mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe geahndet. Über den Straftatbestand hinaus liegt regelmäßig ein Verstoß gegen die Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit vor, so dass eine Jagdscheinentziehung in Betracht kommt (§ 17 Abs. 2 Nr. 4 BJagdG).
Problematisch können sogenannte zweite Würfe sein: bei Leerbleiben von Fähen oder Verlust des ersten Wurfes konnte vereinzelt beobachtet werden, dass die Fähen in diesen Fällen ihre Jungtiere erst im Juli gebaren. Da es sich hierbei aber offensichtlich um Ausnahmen handelt, sollte dies nicht überbewertet werden. 

Weiterführende Hinweise zur Bejagung des Waschbären finden Sie hier.

Dynamische Interaktionswerte als Maß für die räumlich-sozialen Beziehungen innerhalb von sechs Mutterfamilien (6 Mutterfähen, 11 Jungtiere) in der Zeit von Juni 2007 bis Mai 2008 im Müritz-Nationalpark. Die Quantifizierung der dynamischen Interaktionswerte erfolgte nach JACOBS (1974), wobei der Jacobs-Index Werte zwischen -1 (= starke Meidung) und +1 (= starke Anziehung) erreichen kann. Grafik: "Projekt Waschbär"

Grafik Aufloesung Mutterfamilien

Mai 2010

Im Sauseschritt

Steffen Ortmann von der Technischen Universität Dresden hat seine Diplomarbeit zum Raum-Zeit-Verhalten adulter Waschbären im Mütitz-Nationalpark abgeschlossen und ist dabei zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Während seiner Untersuchungen hat er einzelne Tiere mittels Intensivtelemetrie (Fokustier-Methode) ganze Nächte hindurch ununterbrochen verfolgt und konnte somit Aussagen zu Laufstrecken, Laufgeschwindigkeiten und dem Aktivitätsrhythmus treffen.
Insgesamt flossen 103 Nächte in seine Datenauswertung ein, in denen die neun telemetrierten Waschbären Gesamtlaufstrecken von im Mittel 8.965 m zurücklegten und durchschnittliche Laufgeschwindigkeiten von 837 m/h erreichten. Hierbei zeigten sich sowohl intersexuelle als auch saisonale Unterschiede. So konnte zum Beispiel festgestellt werden, dass männliche Waschbären die deutlich schnelleren und auch fleißigeren Läufer sind. Während Waschbärmännchen bei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 12,5 km/h binnen einer Nacht knapp 20 km laufen können, liegen die Werte bei den Weibchen ca. ein Drittel darunter.
Bei den Ergebnissen wird deutlich, dass die nächtlichen Laufwege und –geschwindigkeiten dieses vermeintlich behäbigen Kleinbären bislang deutlich unterschätzt wurden.

Steffen Ortmann mit seinem "Arbeitsgerät" im Müritz-Nationalpark (Foto: "Projekt Waschbär")

Telemetriefahrzeug Projekt Waschbaer

In die Röhre geschaut (April 2010)

Waschbär entdeckt kuriosen Schlafplatz im Müritz-Nationalpark

Bei der Suche nach dem Tagesschlafplatz eines seit mehreren Jahren telemetrierten Waschbärweibchens gab uns das vom Waldboden kommende Funksignal einige Rätsel auf. Wir waren uns nicht sicher, ob wir überhaupt noch nach dem Tier an sich suchten oder womöglich nur nach einem abgestreiften Halsbandsender.
Spezielles Kartenmaterial zur Wasserwirtschaft offenbarte schließlich den Verlauf eines knapp 2 m unter der Erde verlaufenden Drainage-Rohres, welches zu einem alten  Meliorationssystem gehörte. Was einst der Moorentwässerung diente, wurde jetzt also von unseren pelzigen Untersuchungsobjekten als Unterschlupf genutzt. Das Erstaunliche hierbei ist aber vielmehr die enorme Entfernung von knapp 500 m, die die Fähe mit einem ihrer Jungtiere im nur 26 cm großen Rohr zurückgelegt hat, um an den eigentlichen Schlafplatz zu gelangen. Da das Drainage-Rohr nachweislich nur einen einzigen Eingang hatte, postierten wir an dieser Stelle eine Wildkamera und konnten somit den regelmäßigen Ein- und Ausstieg dokumentieren.
Bislang sind vergleichbare Schlafplatzstrukturen fast ausschließlich aus urbanen Habitaten bekannt, in denen Waschbären vereinzelt die Regenwasserkanalisation als Tagesverstecke nutzen.

Fotofallenbild beim Verlassen eines Drainagerohres
Fotofallenbild von Waschbaeren beim Verlassen eines Drainagerohres

Das Weibchen 2017 mit ihrem Jungtier beim Verlassen der unterirdischen Behausung. Fotofallenbilder: "Projekt Waschbär"

Fotofallenbild von Waschbären beim Verlassen eines Meliorationsrohres

Aus der Region (März 2010)

Wie war das eigentlich damals mit den ersten Waschbären hier im Gebiet?

Der erste Waschbär aus dem unmittelbaren Umfeld des heutigen Müritz-Nationalparkes tappte am 23. Februar 1977 im Forstrevier Lüttenhagen, nahe dem Naturschutzgebiet "Heilige Hallen", dem Förster Bernd Meininger in die Falle. Dieses Tier gilt als Erstnachweis eines wild lebenden Waschbären im heutigen Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.  Das junge Männchen (Abb. 1) wurde der Station Junger Naturforscher und Techniker in Feldberg übergeben - der Versuch einer Gehegehaltung misslang jedoch. Herr Meininger berichtete uns vor kurzem begeistert von dem damals so exotischen Fang. Da der Pelz noch in seinem Besitz ist, hat er sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, uns eine Kralle für genetische Analysen zur Verfügung zu stellen. So lässt sich anhand einer solchen Gewebeprobe heute noch feststellen, ob und inwieweit dieser erste Waschbär mit den derzeit hier im Nationalpark lebenden Tieren verwandt ist. Die Probe wird momentan am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau ausgewertet.
Nur kurze Zeit später, am 14. März 1977, fing der Jäger Brczynski (ehem. Jagd­gesellschaft Serrahn) im Forstrevier Zinow unweit der Grenze zum Teilgebiet Serrahn den zweiten Waschbären des Kreises Mecklenburg-Strelitz – ebenfalls ein junges Männchen (Abb. 2). Das tote Tier wurde über die Biologische Station Serrahn der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zur weiteren Untersuchung übergeben. 

Abb. 1: Dieser junge Waschbärrüde fing sich am 23. Februar 1977 im Revier Waldsee, nahe des heutigen Nationalparks, in einem Tellereisen. (Foto: K. Borrmann)

Erstnachweis eines Waschbaeren für Mecklenburg-Strelitz vom Februar 1977

Abb. 2: Nur drei Wochen später geriet dieses junge Männchen wenige Kilometer entfernt in eine Knüppelfalle. Zinow, März 1977 (Foto: C. Weber)

1.Waschbaernachweis im Mueritz-NP

Für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern datieren erste Waschbärhinweise allerdings schon ein paar Jahre zuvor. Zwei maskierte Kleinbären wanderten vermutlich aus Niedersachsen in den damaligen Bezirk Schwerin. Einer davon wurde 1962 bei Bantin (LK Ludwigslust), der andere 1970 in Drieberg (am Einlauf der Stepenitz in den Cramoner See; LK Nordwestmecklenburg) erlegt. Für den heutigen Landkreis Uecker-Randow ist eine Sichtung Anfang März 1966 im Revier Hammelstall, ca. 12 km nordwestlich von Pasewalk, dokumentiert. Der Rüde wurde zufällig beim Fällen einer starken Buche entdeckt, die er als Tagesversteck genutzt hatte. Ein weiterer Waschbärnachweis aus dem ehemaligen Bezirk Neubrandenburg folgte im Herbst desselben Jahres.

Der allererste Waschbär tauchte allerdings schon sehr viel früher in Mecklenburg-Vorpommern auf. Bereits damals schon war es das direkte Umfeld des heutigen Müritz-Nationalparkes, in dem sich der seltene Neubüger einfand. Im Archiv des Forstamtes Lüttenhagen gibt es Aufzeichnungen über ein Tier, das im Dezember 1931 von einem gewissen Forstlehrling Kruse im Revier Waldsee gestreckt wurde – man ging aber damals davon aus, dass es sich bei diesem Exemplar nicht um ein frei lebendes Tier handelte, sondern um einen „direkten Flüchtling“ aus einer ca. 35 km entfernten Pelzzuchtfarm in Bandelow bei Prenzlau, aus der vier Monate vorher einige Waschbären entlaufen waren. Der Forstlehrling bekam für den seltenen Fang dieses Edelpelztieres vom Museum 20,- Reichsmark gezahlt, woraufhin es zu einem Streit um die Prämie zwischen ihm, dem zuständigen Revierförster Fischer und verschiedenen Pelztier­farmen der Gegend kam, aus denen das Tier entkommen sein sollte.

Eine detaillierte Beschreibung der beiden ersten Waschbärenfänge in Mecklenburg-Strelitz aus dem Jahr 1977 findet sich in einer Publikation von Herrn KLAUS BORRMANN: „Der Waschbär – eine neue Tierart im Kreis Neustrelitz“ – Naturkundliche Forschungen und Berichte. 2/179. S. 11-15.

  

Eingeschneit (Februar 2010)

Waschbären verharren seit über 7 Wochen in ihren Winterquartieren

Ausuchen der Winterquartiere sendermarkierter Waschbären im Müritz-Nationalpark (Foto: "Projekt Waschbär")

Telemetrisches Aufsuchen eines sendermarkierten Waschbaeren in seinem Winterquartier

Mit so einem langen und vor allem schneereichen Winter haben unsere Waschbären wohl nicht gerechnet, als sie Ende Dezember ihre Winterlager bezogen haben – nun halten sie seit über 7 Wochen (schneebedingte) Winterruhe. Solch eine lange Ruhephase ist bisher eigentlich nur aus dem nördlichsten Verbreitungsgebiet (südliches Kannada) des Waschbären bekannt.
Üblicherweise verlassen die Kleinbären ihr gemütliches Zuhause während der kalten Jahreszeit auch schon mal, um sich etwas Fressbares zu suchen - regelmäßige Kontrollen der noch am Sender verbliebenen Tiere (n=6) haben allerdings gezeigt, dass sich bei dem emsigen Schneetreiben keiner der pelzigen Gesellen auch nur ein einziges Mal vor den Höhleneingang gewagt hat. Denn nicht die Kälte allein ist ausschlaggebend für eventuelle Exkursionen, sondern vor allem die Schneelage. Nicht nur, dass sich unter der dichten, weißen Decke auch für so einen generalistischen Raubsäuger wie dem Waschbären einfach nichts Fressbares mehr findet – die Tiere könnten sich bei dem vielen Schnee praktisch gar nicht fortbewegen und würden einen enormen energetischen Verlust der im Herbst mühsam angefressenen Fettreserven riskieren.
Ein etwaiges Problem für unsere eingeschneiten Waldbewohner stellt die Ranz dar, die eigentlich jetzt Ende Januar bzw. Anfang Februar beginnen sollte. Da die Tiere ihre Behausungen aber derzeit nicht verlassen können, scheint vermutlich nur bei den Tieren ein Erfolg auf Fortpflanzung zu bestehen, die strategischerweise bereits gemeinsam mit einem potentiellen Geschlechtspartner ein Winterlager aufgesucht haben. Offenbar ist es daher in Waschbärkreisen ratsam, sich nicht nur zu wärmenden Zwecken eine Höhle zu teilen...

   

Druckfrisch (Januar 2010)

Literaturtipp

Pünktlich zum Neuen Jahr möchten wir an dieser Stelle gerne auf zwei neu erschienene wildbiologische Publikationsreihen hinweisen, in denen unter anderem auch mehrere Veröffentlichungen aus dem "Projekt Waschbär" zu finden sind (Artikel als PDF-Dateien unter Publikationen):

Titelseite "Neubuerger und Heimkehrer in der Wildtierfauna"
  • Neubürger und Heimkehrer in der Wildtierfauna (Hrsg. Prof. Dr. M. Stubbe & Dr. V. Böhning), 176 Seiten, ISBN:978-3-7888-1311-6

    Dieses Buch enthält unter anderem Beiträge über die Neubürger Marderhund, Waschbär, Mink, Bennettkänguruh, Nandu und Nutria sowie über die Wiederkehrer Wolf und Biber.
Titelseite "Beitraege Jagd- u. Wildforschung Bd. 34"
  • Beiträge zur Jagd- und Wildforschung Band 34 (Hrsg. Prof. Dr. M. Stubbe),
    624 Seiten, ISBN: 978-3-7888-1312-3

    In diesem Band sind schwerpunktmäßig Beiträge zur Wildhygiene, Epidemiologie sowie zu Wildtierkrankheiten und Parasiten publiziert.


    Zu beziehen sind beide Bücher über den Buchhandel oder über die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung e.v. (GWJF).

    Wir wünschen viel Freude beim Lesen!

    

Dezember 2009

Im Blitzlicht

Als ein feldmethodischer Schwerpunkt des Forschungsprojektes wird seit 2006 nahezu ununterbrochen ein großflächig angelegtes Fotofallenmonitoring durchgeführt, bei dem 15 Wildkameras ganzjährig ein Kontrollgebiet von ca. 1.000 ha überwachen. Dabei werden z.B. grundlegende Daten zur Reproduktionsbiologie, Populationsdichte und zum Sozialsystem der Waschbären zusammengetragen. Innerhalb der letzten dreieinhalb Jahre konnte somit schon eine umfangreiche Bilder-Datenbank aufgebaut werden, bei der über 15.000 Aufnahmen archiviert wurden. Neben mehr als 150 identifizierten Waschbären haben sich allerdings auch eine Reihe anderer (nicht minder interessanter) Waldbewohner auf den Fotofallenbildern verewigt - ein paar ausgewählte Exemplare sollen hier nun einmal vorgestellt werden...

Per Klick auf die einzelnen Bilder wird ein neues Fenster mit größerer Ansicht geöffnet. Ausgewählte Fotofallenbilder von Waschbären finden sich hier.
Copyright aller Bilder: "Projekt Waschbär"

Fischotter-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Fischotter-Fotofallenbild1 "Projekt Waschbaer"
Iltis-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Dachs-Fotofallenbild1 "Projekt Waschbaer"
Dachs-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Baummarder-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Steinmarder-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Iltis Wildkamera Projekt Waschbaer
Fuchs1-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Fuchs-Fotofallenbild2 "Projekt Waschbaer"
Fuchs-Fotofallenbild3 "Projekt Waschbaer"
Eichhoernchen-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Mäuse-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Biber-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Reiher-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Eisvogel-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Vogel-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Schwarzwild-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Marderhund-Fotofallenbild2 "Projekt Waschbär"
Marderhund-Fotofallenbild1 "Projekt Waschbär"
Marderhund-Fotofallenbild3 "Projekt Waschbär"
Hase-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Damhirsch-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Damtier-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Schwarzwild1-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Rehbock Wildkamera Projekt Waschbaer
Ringeltaube-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Bussard-Fotofallenbild "Projekt Waschbaer"
Damkalb Wildkamera Projekt Waschbaer
Damwild Wildkamera Projekt Waschbaer
Keiler Wildkamera Projekt Waschbaer
Schwazwild Wildkamera Projekt Waschbaer
Wildschwein Wildkamera Projekt Waschbaer
Fuchs im Schnee Wildkamera Projekt Waschbaer
Fuchs Wildkamera Projekt Waschbaer
Kraniche Wildkamera Projekt Waschbaer

 
  

Kräftig gemendelt (November 2009)

Untersuchungen zur Genetik der Müritzer Waschbären erfolgreich abgeschlossen

Anja Peter an ihrem Laborplatz

Anja Peter

Vor kurzem wurde die Graduiertenarbeit von Anja Peter (Universität Koblenz-Landau, Institut für Umweltwissenschaften) zur Analyse der Verwandtschaftsbe-ziehungen und des individuellen Fortpflanzungserfolges der untersuchten Waschbärpopulation im Müritz-Nationalpark fertiggestellt. Diese Arbeit bildet eine wichtige Grundlage für die Interpretation der Ergebnisse aller weiteren im Projekt angefertigten Arbeiten.
Von den im Rahmen der Feldarbeiten gefangenen Waschbären (n=135) wurden Gewebe-, Speichel- und Haarproben entnommen, die anschließend im Labor mittels Mikrosatellitenanalysen ausgewertet wurden. Aktuelle Waschbär-DNA-Proben werden in einer weiterführenden Kooperation mit dem Institut für Umweltwissenschaften (Dr. Holger Schulz) bearbeitet, so dass erstmalig nahezu alle Tiere einer untersuchten Population molekularbiologisch analysiert werden können. Anhand dieser Daten sind tiefgreifende Einblicke in die bis dato noch wenig erforschte Sozialstruktur des Waschbären möglich.

Gefördert wurde diese Untersuchung von der Dr. Gustav Bauckloh Stiftung (Dortmund) sowie von der Paul und Yvonne Gillet Stiftung (Edenkoben).

Alle gefangenen Waschbären werden narkotisiert, so dass die Proben für die genetischen Analysen stressfrei entnommen werden können. Im Bild Projektmitarbeiterin Nicole Hermes mit einem 6 Monate alten Jungtier. (Foto: "Projekt Waschbär")

Bearbeitung eines immobilisierten Waschbären

Auf freiem Fuß (September/Oktober 2009)

Entsenderungsaktion im "Projekt Waschbär"

Es ist so weit – mit Abschluss der Datenaufnahme für die letzte Diplomarbeit neigt sich nun auch die Feldarbeit langsam aber sicher dem Ende entgegen. Die Forscher haben damit begonnen, ihren maskierten Forschungsobjekten die Halsbandsender wieder abzunehmen – und dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn es fällt schwer, die Waschbären, die zum Teil mehrere Jahre unter permanenter radiotelemetrischer Kontrolle standen und somit Unmengen spannender und wertvoller Einblicke in die Lebensweise dieses Neubürgers geliefert haben, wieder in die Anonymität zu entlassen.
Doch es ist natürlich das Ziel, so viele Tiere wie möglich wieder zu entsendern. Aufgrund der sehr hohen Wiederfangraten besteht eine gute Chance, die meisten markierten Waschbären noch ein letztes Mal in die Fallen zu bekommen. Einige haben ihr Halsband auch bereits während der Forschungsaktivitäten abgestreift, wiederum andere besitzen einen Sender mit sogenannter Sollbruchstelle, der bei Zeiten von alleine abfällt. Die wenigen Tiere, die z.B. aufgrund von Abwanderungen nicht mehr wiedergefangen werden können, wird der ca. 60 g schwere Sender aber auch langfristig nicht stören, da er die Tiere nachweislich nicht beeinträchtigt.
Insgesamt 68 Waschbären konnten im Zuge des Projektes besendert und verfolgt werden – so viele Tiere waren außerhalb von Amerika noch nie am Sender. Einige Tiere konnten mit Hilfe der Telemetrie über 4 Jahre beobachtet werden – so lange wie kein Waschbär zuvor.

Diesem in Narkose liegenden Waschbärenmännchen wurde nach mehreren Jahren radiotelemetrischer Kontrolle der UKW-Halsbandsender wieder abgenommen (Foto: "Projekt Waschbär").

Entsenderung eines Waschbaeren im Mueritz-Nationalpark

August 2009

Bis ins kleinste Detail

Seitdem im Jahr 2007 zum ersten Mal für Europa bei Waschbären die canine Staupe (CDV) im Untersuchungsgebiet nachgewiesen werden konnte (siehe Ergebnisse 2007), wurde im Projekt eine intensive Todesursachenanalyse betrieben.
Um nun einen detaillierten Überblick über den Gesundheitsstatus der im Rahmen des Forschungsprojektes untersuchten Population zu bekommen, wurde vor kurzem damit begonnen, das während der letzten drei Jahre gesammelte Waschbärtodmaterial (n = 100) aus dem Müritz-Nationalpark histopatholigisch aufzuarbeiten. Dies ist eine wichtige Maßnahme, um auf eventuelle Krankheiten im Wildtierbestand aufmerksam zu machen und Vorkehrungen bezüglich der Seuchenhygiene treffen zu können. Die hierfür notwendigen Sektionen und Untersuchungen werden in Kooperation mit der Forschungsgruppe Wildtierkrankheiten des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) unter der Leitung der Fachtierärztin für Pathologie, Frau Dr. med. vet. Gudrun Wibbelt, durchgeführt.
Die pathologischen Studien beinhalten vor allem die Untersuchung auf verschiedene Virusinfektionen wie zum Beispiel Staupe, Parvovirose und Aujeszkysche Krankheit sowie Analysen zum Endo- und Ektoparasitenbefall. Hierbei soll insbesondere die Frage geklärt werden, ob oder wie stark die Population des Mecklenburg-Strelitzer Raumes mit dem Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis, einem potentiell gefährlichen Zoonoseerreger, befallen ist.
Durch die Erfassung verschiedener biometrischer Parameter wie die Vermessung von Körper und Organen sowie die Ermittlung des Reproduktionsstatus der Weibchen kann zusätzlich die Populationsstruktur der erforschten Population charakterisiert werden.

Zoltan Mezoe (l.) und Dr. Gudrun Wibbelt (r.) von der Forschungsgruppe Wildtierkrankheiten des IZW Berlin bei der Sektion eines Waschbären aus dem Müritz-Nationalpark.

Sektion eines verendeten Waschbaeren

Juli 2009

Hingeschaut

Derzeit stehen die kleinsten der Kleinbären im Fokus der Forschungstätigkeiten, denn ab Juli ist in der Regel die Zeit, wo der Nachwuchs zum ersten Mal das Muttertier auf kurzen Streifzügen begleitet. Aus diesem Grund wurden in der Nähe der bekannten Wurfplätze spezielle Wildkameras aufgestellt, die Aufschluss über den diesjährigen Reproduktionserfolg der Waschbären geben sollen. Hierduch kann die genaue Anzahl an Jungtieren pro Muttertier ermittelt werden.
In diesem Jahr konnten Wurfplätze von 12 sendermarkierten Waschbärweibchen dokumentiert werden. Die Geburtstermine lagen zwischen dem 28. März und dem 22. April 2009 - wobei die Wurfplätze zwischen zwei und zehn Wochen lang als Kinderstuben genutzt wurden. Wie Projektmitarbeiterin Katja Gabelmann im Zuge ihrer Diplomarbeit herausfand, sind die jungen Familien in den darauf folgenden Wochen zunächst noch in sogenannten Folgekinderstuben anzuttreffen, bevor sie dann täglich ihren Versteckplatz wechseln. 

Die zweijährige Fähe 5011 war in diesem Jahr die erste, die ihren Nachwuchs den Forschern präsentierte. (Fotofallenbild "Projekt Waschbär")

Markiertes Waschbärweibchen mit ihrem diesjährigen Nachwuchs

Auf und davon (Mai/Juni 2009)

Waschbär aus Forschungsprojekt stellt neuen Weltrekord auf

Die Bewohner der niedersächsischen Gemeinde Oerel bei Bremervörde staunten nicht schlecht, als der kleine maskierte Unbekannte erstmals bei ihnen auftauchte. Noch nie zuvor wurden in dieser Region Waschbären gesichtet.
Drei Monate zuvor im Müritz Nationalpark erhielten die Mitarbeiter des „Projekt Waschbär“ das letzte Funksignal von einem ihrer Forschungsobjekte, bevor sich der nachtaktive Minipetz auf die lange Reise machte. Der junge Waschbärrüde mit der Nummer 5002 wurde zuvor mit einem UKW-Sender­halsband ausge­stattet und mit Ohrmarken markiert. 90 Tage lang wanderte er in Richtung Westen, bis er sich schließlich im 285 km (Luftlinie) entfernten Oerel einfand, wo er gefangen und erlegt wurde. Dort konnte das männliche Jungtier anhand seiner Ohrmarken eindeutig identifiziert werden.
Mit dem hierbei zurückgelegten Weg hat der Kleinbär nun einen neuen Weltrekord aufgestellt – es ist die längste Abwanderungs­strecke, die je für diese Tierart nachgewiesen werden konnte.
Es ist bekannt, dass Waschbärmännchen im Gegensatz zu den weiblichen Tieren mit ca. einem Jahr den Prozess der so genannten Dismigration vollziehen – bislang blieb jedoch völlig unklar, wie diese Abwanderung im Einzelnen von statten geht und vor allem um was für Entfernungen es sich dabei handelt.
Im Rahmen des Forschungsprojektes konnten bereits Abwanderungen von einem Dutzend markierter Waschbären mit Entfernungen von 8 bis 95 km Luftlinie dokumentiert werden, wobei es die Kleinbären in alle Himmelsrichtungen verschlug. Einige dieser Tiere konnten bei ihrer Wanderung mittels Funküberwachung Tag und Nacht verfolgt werden, wobei durchschnittliche Strecken von 8 bis 10 km pro Nacht ermittelt wurden. Auf Grund dieser Tatsache wird davon ausgegangen, dass der Rekordhalter während seiner Abwanderung nach Niedersachsen insgesamt über 800 km zurückgelegt hat (weitere Ergebnisse zum Abwanderungsverhalten finden Sie hier).

Ob der Waschbärrüde ohne seine Erlegung noch weiter gewandert wäre, bleibt reine Spekulation – fest steht aber, dass es sich hierbei um eine enorme Leistung aus dem Tierreich handelt. (zur Pressemitteilung)

Berit Köhnemann mit dem 12 Wochen alten Rekordhalter am Tag seiner Markierung im Müritz-Nationalpark (Foto: "Projekt Waschbär").

Rekordhalter 5002 am Tag seiner Markierung im Mueritz-Nationalpark

März/April 2009

Neu im Forscherteam

Seit März hat sich der Kreis der Projektmitarbeiter ein weiteres Mal vergrößert. Die Biogeographiestudentin Nicole Hermes von der Universität Trier wird sich von nun an im Zuge ihrer Diplomarbeit vor allem mit den Lebensraumstrukturen unserer maskierten Studien­objekte beschäftigen. Diese Untersuchung zur Habitatnutzung bildet die letzte von insgesamt neun Diplom­arbeiten, die im Rahmen des Forschungsprojektes angefertigt wurden bzw. werden (siehe Arbeitsstand des Projektes) und wird gleichzeitig auch die Feldarbeiten im Müritz-Nationalpark abschließen.

Moorlebensräume spielen für die Waschbären im Müritz-Nationalpark eine beson-ders große Rolle - Wie die Habitatnutzung der Tiere tatsächlich aussieht, wird Nicole Hermes im Zuge ihrer Diplomarbeit analysieren. Foto: "Projekt Waschbär"

Projektmitarbeiterin Nicole Hermes bei der telemetrischen Suche von Waschbaeren im Mueritz-Nationalpark

Februar 2009

Damenwahl

Im Februar endete die winterliche Gemütlichkeit im schneebedeckten Nationalpark, die fort­schreitende Tageslänge brachte die Hormone der Waschbären gehörig durcheinander – kurzum, die Ranz war ausgebrochen. Während dieser einmal im Jahr stattfindenden Paarungszeit der Kleinbären sind die Weibchen nur an wenigen Tagen empfängnisbereit und die Männchen versuchen, sich währenddessen mit möglichst vielen von ihnen zu paaren. Hierbei entscheiden aber ausschließlich die Damen, wer zu Ihnen in die Höhle kommen darf und wer nicht.
In diesem Forschungsjahr wurde den Waschbären während der Ranzzeit ganz gezielt auf die Finger geschaut – Irina Muschik von der Ruhr-Universität Bochum kam noch einmal für drei Wochen ins Untersuchungsgebiet, um das emsige Reproduktionstreiben genaustens zu dokumentieren. Sie verfolgte die täglichen Anwartungen der Rüden und konnte somit zeigen, dass es sich bei den Serrahner Waschbärmännchen anscheinend um regelrechte Casanovas handelt – sie „besuchten“ nämlich in dieser Zeit bis zu vier ver­schiedene Fähen. Nach dem eh schon langen und zehrenden Winter ein recht anstrengendes und kräfteraubendes Unterfangen für die pelzigen Vierbeiner. Das Ergebnis dieser Bemühungen werden wir in ca. zwei Monaten beobachten können, wenn die Fähen sich einen geeigneten Wurfplatz suchen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Doch bis dahin kehrt erst einmal wieder Normalität in den mittlerweile frühlingshaften Serrahner Wäldern ein.

Irina Muschik dokumentiert mit Hilfe radiotelemetrischer Methoden das Verhalten der Waschbären während der Paarungszeit, Februar 2009.

Waschbaer-Telemetrie im Mueritz-Nationalpark

Januar 2009

Kuschelige Zeiten

Der Winter ist nun endgültig über die Waschbären im Müritz-Nationalpark hereingebrochen und mit ihm auch die gemütliche Zeit des Bärendaseins. Rundgefressen vom letzten Herbst verlassen sie seit dem Einsetzen des Schnees ihre Versteckplätze nicht mehr und zehren stattdessen von ihren reich­lich angelegten Fettreserven.
Von derzeit 21 besenderten adulten Waschbären befinden sich 17 Tiere in Höhlen von Buchen und Eichen, vier nutzen bodennahe Schlafplätze als Winterlager - zwei davon liegen in einem hohlen Stamm einer umgestürzten Buche, ein Tier nutzt einen Wurzelbult inmitten eines Niedermoores und eine Fähe liegt in einem dichten Schilfkomplex an einem Tümpel.
Hierbei scheinen die Winterschlafplätze der flauschigen Vierbeiner eines gemeinsam zu haben: sie bieten alle Platz für gleich mehrere Tiere - denn die Waschbären genießen in letzter Zeit sichtlich die traute Zweisamkeit. In fast allen Fällen liegen die Kleinbären nämlich zusammen in den lauschigen Plätzen. Interessanterweise sind dies Tiere, die nicht direkt miteinander verwandt sind - häufig sind auch Fähen und Rüden beisammen. Und dies ist keinesfalls eine Folge von mangelnder Schlafplatzverfügbarkeit. Die sozialen Tiere suchen ganz im Gegenteil gezielt die Nähe zu Ihren Artgenossen auf. In einem Eichenschlafplatz sind sogar vier besenderte Waschbären (zwei Rüden und zwei Fähen) in noch trauterer „Viersamkeit“ anzutreffen.
Ob diese Geselligkeit der reinen Wärmezufuhr dient, oder ob sich bei den Rüden durch die Zuwendung zu den Fähen gar ein höherer Ranzerfolg einstellt, wird sich ab Ende Januar/Anfang Februar während der Paarungszeit zeigen. Bis dahin werden die pelzigen Gesellen allerdings noch in ihren bequemen Unterkünften verweilen – gemeinsam, versteht sich.

Enges Beisammensein - Zwei erwachsene Waschbären teilen sich einen Winterschlafplatz in einer hohlen Eiche. Foto: "Projekt Waschbär"

Zwei erwachsene Rüden liegen zusammen im hohlen Stamm einer Eiche

November/Dezember 2008

Herabgesetzt und Zugelegt

Mit Eintritt der kalten Jahreszeit ändert sich bei den Waschbären so einiges - der Winter verlangt von den pelzigen Gefährten erhebliche Anpassungen an die sich ändernden Umweltfaktoren: Zum einen wird die Aktivität deutlich herabgesetzt – so sind unsere telemetrierten Bären nun schon lange nicht mehr die gesamte Nacht aktiv, sondern legen regelmäßige Pausen ein. Zum anderen wurde bereits im Herbst damit begonnen, sich ein dickes Fettpolster zuzulegen, welches bis zu 50 % des Gesamtgewichtes ausmachen kann. Damit einher geht die Anlage eines sehr dichten und langen Winterfells, das nun im November voll ausgereift ist. Dieser extrem wertvolle Pelz war auch der Grund, dass der Waschbär während der Pelzmode in den 1920er Jahren überhaupt nach Europa gebracht wurde. Vor dem Hintergrund, dass die Familie der Kleinbären, zu denen die Waschbären systematisch gehören, eigentlich auf tropische Wurzeln zurückgeht, ist es interessant, dass dem Waschbär als einzigem Vertreter dieser Familie durch diese Anpassungen der Sprung in kaltgemäßigte Klimate gelungen ist.
Für die Waschbären bedeutet dies zunächst eine deutliche Zunahme des Körpergewichtes, was vor allem durch den hormonell gesteuerten Verzehr hochkalorischer Nahrung wie beispielsweise Eicheln, Mais und Äpfel erreicht wird. Der schwerste und gleichzeitig älteste Rüde, der im Projekt bislang gewogen werden konnte, brachte stolze 12 kg auf die Waage. 

Fotofallenbilder einer adulten Waschbärfähe. Das linke Bild zeigt die Fähe im Juli mit kurzhaarigem Sommerfell.

Sendermarkiertes Waschbaerweibchen im Sommer

Rechts das selbe Tier fünf Monate später im Winterpelz. Fotos: "Projekt Waschbär"

Sendermarkiertes Waschbaerweibchen im Winter

Aufgrund der enormen Speckschicht können Waschbären während sehr kalter Perioden eine so genannte Winterruhe einlegen, bei der sie ausschließlich von ihren Fettreserven zehren. Während dieser Phase ziehen sich die anpassungsfähigen Minipetze in mikroklimatisch günstige Versteckplätze zurück – im Müritz-Nationalpark sind dies fast ausnahmslos alte Buchen mit tiefen Höhlen. Der Fettverbrauch beläuft sich dabei auf ca. 30 - 40 g pro Tag - bei einem 10 kg schweren Bären mit ca. 5 kg Fettanteil bedeutet dies, dass er damit bis zu 4 Monate ohne Nahrung auskommen kann. Es kommt während dieser Winterruhe zwar zu enormen physiologischen Anpassungen, von einem klassischen Winterschlaf spricht man allerdings nur bei Nagetieren, Fledermäusen und Insektenfressern, da hier eine deutliche Reduktion der Stoffwechselrate von statten geht. Diese Tiere bezahlen ihre Energieersparnis jedoch mit einer lang anhaltenden Lethargie, während Waschbären schon bei geringer Störung wieder hellwach sind. Auch wenn eine ausgedehnte Winterruhe bei den vergleichsweise milden Wintern in Mitteleuropa meist ausbleibt, verändert sich das Raum-Zeit-Verhalten der Waschbären deutlich. Dies hat der Forststudent Steffen Ortmann während der Datenaufnahmephase für seine Diplomarbeit 2007/2008 herausgefunden, indem er einzelne besenderte Waschbären während zahlreicher Nächte durchgehend verfolgt hat.
Mit dem Einsetzen der Ranzzeit Ende Januar wird die typisch bärige Phase des Faulenzens dann allerdings schlagartig beendet und vor allem die männlichen Waschbären verlieren auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen innerhalb kürzester Zeit wieder einen Großteil der dann noch vorhandenen Fettreserven.

Fotofallenbilder eines adulten Waschbärmänn-chens vor einer Holzkastenfalle. Bild 1: Im Juli mit einem Gewicht von ca. 5,5 kg.

Fotofallenbild eines Waschbärmännchens im Sommerfell

Bild 2 zeigt den selben Rüden im August zu Beginn der Mastphase.

Fotofallenbild: Sendermarkierter Waschbaerruede im Sommer

Bild 3: Zwei Monate später im Oktober hat der Rüde bereits deutlich an Fettreserven zugelegt.

Fotofallenbild: Sendermarkierter Waschbaerruede im Winterfell

Bild 4: Im Dezember beträgt das Gewicht des Rüden über 10 kg. Fotos: "Projekt Waschbär"

September/Oktober 2008

Jungtiertelemetrie erfolgreich abgeschlossen

Nachdem in den letzten beiden Jahren erstmalig insgesamt 17 Jungtiere mit speziellen expandierenden Halsbandsendern ausgestattet wurden, konnten sie bis weit über ihr erstes Lebensjahr hinaus intensiv telemetrisch überwacht werden. Dies geschah im Rahmen von drei Diplomarbeiten, von denen die ersten beiden nun abgeschlossen und Ende September resp. Anfang Oktober eingereicht wurden. Die Arbeiten von Irina Muschik ("Radiotelemetrische Untersuchung zum Raum- und Sozialverhalten weiblicher Waschbären und ihrer Jungtiere währed des Winterhalbjahres im Müritz-Nationalpark", PDF-Dokument) und Katja Gabelmann ("Entwicklung des Raumverhaltens von Waschbärweibchen während der postpartalen Phase - Eine Telemetriestudie im Müritz-Nationalpark", PDF-Dokument) zeigen u.a., dass die Jungtiere im Vergleich zu anderen Raubsäugern überdurchschnittlich lange von den Muttertieren abhängig sind. Diese Erkenntnis spielt auch für zukünftige Festlegungen der Jagd- bzw. Schonzeiten eine wichtige Rolle und liefert hierfür erstmals wissenschaftliche Entscheidungsgrundlagen. Weitere Veröffentlichungen aus dem Projekt finden Sie unter Publikationen.

Narkotisiertes 14 Wochen altes Jungtier mit einem mitwachsenden Halsbandsender, August 2006.

juveniler Waschbaer mit expandierendem Halsbandsender

Fotofallenbild von sendermarkierten juvenilen Waschbären im Müritz-Nationalpark.

Fotofallenbild juveniler sendermarkierter Waschbären

Hingehört (Juli 2008)

Programmtipp Rundfunk - Der Bayrische Rundfunk (BR2)

Im Rahmen des Kulturprogramms des Bayrischen Rundfunks wird am 24. Juli 2008 eine Sendung mit einem Beitrag aus dem Waschbär-Forschungsprojekt ausgestrahlt. Das Bildungsprogramm "Radio Wissen" mit dem Titel: Waschbär, Mink & Co - bedrohen "fremde" Tierarten unsere Artenvielfalt? beginnt um 9.30 Uhr auf BR2. (Podcast herunterladen)

  

Sehenswert

Müritzer Waschbären bald wieder im Fernsehen anzutreffen

In den letzten Wochen waren verschiedene Fernsehteams vor Ort, um das Waschbär-Projekt bei der Forschungsarbeit zu begleiten. Während der mehrtägigen Dreharbeiten im Müritz-Nationalpark sind viele einzigartige Bilder von Waschbären in ihrem natürlichen Lebensraum entstanden.
Sendetermine für die Erstausstrahlungen sind am:
  • Abenteuer Wissen (Tierische Einwanderer - Waschbären und Co.)
    Erstausstrahlung 16.09.2009 um 22:15 Uhr auf ZDF
    (Wiederholungen vom 18.-30.09.2009 täglich auf ZDFinfokanal)
  • 10.03.2009 um 19:00 Uhr auf Arte ("Exotische Heimat. Neubürger der Tier- und Pflanzenwelt" - Dokumentation, Wiederholung am 18.03.09 um 16:05 Uhr))
  • 5.07.2008 um 19:00 Uhr auf NDR-MV ("Waschbären im Kirschbaum" - Nordmagazin)
  • 10.06.2008 um 20:00 Uhr auf NeuEins-Regionalfernsehen ("Waschbären im Müritz-Nationalpark" - NeuEins-Journal)
  • weitere Fernsehbeiträge

Die Projektleiter B. Köhnemann (rechts) und F. Michler bei Dreharbeiten für eine Dokumentation über Waschbären im Müritz-Nationalpark (Juni 2008).

Filmaufnahmen über Waschbären im Müritz-Nationalpark

Dreharbeiten für Fernsehbeitrag über Waschbären im Müritz-Nationalpark

Erster Abschluss

Berit Koehnemann mit einem narkotisierten Waschbaeren

Erste Graduiertenarbeit im Rahmen des Forschungsprojektes fertiggestellt

Berit A. Köhnemann hat im November 2007 ihre Diplomarbeit mit dem Titel "Radiotelemetrische Untersuchung zu saisonalen Schlafplatznutzungen und Aktionsraumgrößen adulter Waschbären (Procyon lotor L., 1758) in einer Moor- und Sumpflandschaft im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)" an der Universität Hamburg eingereicht.
Die Arbeit kann hier heruntergeladen werden. (Diplomarbeit-Köhnemann-PDF 3,4 MB)

  

Neu im Forscherteam (November 2007)

Unser Forschungsteam hat seit November erneut Zuwachs bekommen. Für die radiotelemetrische Bearbeitung des Raumverhaltens der Waschbärfähen samt ihres Nachwuchses - unter dem besonderen Aspekt der Winterökologie - ist Irina Muschik von der Ruhr-Universität Bochum hinzugestoßen. Nach einer intensiven Einarbeitungsphase wird die Biologiestudentin ab Anfang Dezember die Daten für ihre Diplomarbeit aufnehmen.

Projektleiterin Berit Köhnemann (links) weist die Diplomandin Irina Muschik in das Untersuchungsgebiet ein. Serrahn November 2007

Dankenswert (September/Oktober 2007)

Dr. Gustav Bauckloh Stiftung unterstützt Waschbärforschungsprojekt

Vor kurzem stellte die Dortmunder Dr. Gustav Bauckloh Stiftung unserem Projekt einen bedeutenden Förderzuschuss zur Verfügung. Mit dieser Unterstützung werden Sachmittelkosten für ein Teilprojekt finanziert, so dass zwei Diplomanden die Möglichkeit bekommen im Rahmen dieses Forschungsprojektes ihre Graduiertenarbeiten anzufertigen.
Die Dr. Gustav Bauckloh Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel den Natur- und Tierschutz zu fördern. Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich für die großzügige Zuwendung.

  

Neu im Forscherteam (August 2007)

Seit August 2007 sind zwei weitere Diplomanden zu uns ins Forscherteam gestoßen. Steffen Ortmann studiert Forstwissenschaft an der TU Dresden und wird im Rahmen der radiotelemetrischen Datenaufnahme das Raum-Zeit-Verhalten der Waschbären untersuchen. Er wird einzelne Tiere mittels Intensivtelemetrie nachts auf ihren Streifzügen begleiten um somit z.B. Erkenntnisse zur Aktivitätsrhytmik, zur Habitatnutzung und zu den Laufwegen der Tiere zu erlangen.
Dirk Schäuble ist Biologiestudent an der FU Berlin und wird sich mit dem Raumverhalten und der Sozioethologie juveniler Waschbären beschäftigen. Zwölf Jungtiere konnten bereits mit speziellen mitwachsenden UKW-Halsbandsendern ausgestattet werden, so dass nun das Familienleben genau analysiert werden kann. Auf diese Weise erhoffen wir uns einen grundlegenden Erkenntnisgewinn zu zahlreichen ungeklärten Fragen über das komplexe Familienleben dieser nearktischen Neozoenart.

Diplomand Steffen Ortmann wird sich u.a. mit der Habitatnutzung und den Aktivitätsphasen der Waschbären beschäftigen.

stud.-biol. Dirk Schäuble wird mit Hilfe radiotelemetrischer Methoden das Sozialverhalten der Mutterfamilien untersuchen.

Die Diplomandin Katja Gabelmann hat Ende August 2007 ihre Datenaufnahme abgeschlossen und den Müritz-Nationalpark Richtung ihrer Universität wieder verlassen. Wir danken für die sehr gute Zusammenarbeit und wünschen viel Erfolg und Energie für die Auswertungen.

Das Projektteam des Waschbärforschungsprojektes im August 2007. Projektleitung: Berit A. Köhnemann & Frank-U. Michler, Diplomanden: Dirk Schäuble, Steffen Ortmann, Katja Gabelmann (v.r.n.l.).

Jungtiere im Anmarsch (Juli 2007)

Nach zwei Monaten in der versteckten Wurfhöhle wird es der Waschbärfamilie nun endgültig zu eng und die Fähe präsentiert zum ersten Mal ihren Nachwuchs. Die neugierigen Waschbärjungen verlassen das traute Heim und machen sich auf, das mütterliche Streifgebiet zu erkunden. Dort wird die Mutterfähe ihnen in den nächsten Wochen die besten Nahrungs- und Versteckmöglichkeiten zeigen. Die kleinen Nachwuchskletterer sind mittlerweile zwischen 9 und 14 Wochen alt und folgen ihrer Mutter bereits auf Schritt und Tritt. Noch sind sie zu klein, um wie die erwachsenen Waschbären mit Hilfe eines UKW-Senders Auskunft über ihr Verhalten zu geben – ab Ende Juli sollen aber auch sie spezielle mitwachsende Halsbandsender erhalten. Hierbei interessiert uns vor allem die Entwicklung der familiären Bindung innerhalb der Mutterfamilie. Waschbären sind im Verhältnis zu anderen Raubsäugern sehr lange Zeit vom Muttertier abhängig und werden noch bis in den vierten Monat hinein gesäugt.

 

  

Fotofallenbilder von sendermarkierten Waschbärfähen mit ihrem diesjährigen Nachwuchs. Serrahn, Juni 2007

Waschbär in Sicht (Juni 2007)

Bei lichtem Blätterdach und warmen Temperaturen ist der Frühsommer die beste Zeit um die nachtaktiven und scheuen Kleinbären mal wieder zu Gesicht zu bekommen. Nachdem sich die Tiere den Winter über fast ausschließlich in verborgenen Höhlen aufgehalten haben, kann man die pelzigen Baumbewohner mit etwas Glück jetzt wieder des Öfteren direkt auf ihren Schlafbäumen entdecken. Meist machen sie es sich dort in dicken Astgabeln gemütlich und geben den Blick auf ein Stück Fell frei...




Tagesschlafplätze sendermarkierter Waschbären im Müritz-Nationalpark.

Kinderstuben (Mai 2007)

Foto: Ingo Bartussek

Derzeit interessieren uns vor allem die Wurfplätze der reproduzierenden Waschbärfähen. Dort werden sie sich die nächsten Wochen um ihre Jungtiere kümmern, bevor diese nach ca. acht Wochen zum ersten Mal die Wurfhöhle verlassen. Bis dahin muss die werdende Familie mittels radiotelemetrischer Methoden allerdings Tag und Nacht überwacht werden, um die Aktivitätsmuster der Fähen zu dokumentieren.
Um die jeweilige Anzahl der Jungtiere zu erfahren, werden die Wurfplätze bei Abwesenheit der Muttertiere kontrolliert.

 

Die Wurfplätze werden täglich von uns kontrolliert - häufig lassen sich dabei die Jungtiere vor dem Höhleneingang beobachten. Mai 2007

Olaf Best bei der Besteigung einer 35 Meter hohen Eiche. Durch die Hilfe von klettererfahrenen Nationalpark-Rangern ist es uns möglich auch die schwer erreichbaren Wurfplätze zu kontrollieren. Serrahn, Mai 2007.

Neu im Forscherteam (April 2007)

Diplomandin Katja Gabelmann beim Ablesen einer Waschbärlatrine im Müritz-Nationalpark. April 2007

Seit April 2007 haben wir tatkräftige Unterstützung bekommen. Katja Gabelmann studiert Biologie an der FU Berlin und wird sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit mit der Raumnutzung der reproduzierenden Waschbärfähen beschäftigen.